Keine wirklich globale Lernerfahrung ohne lokalisierte Schulungen

19. Juni 2015 | Unter Allgemein, Neuigkeiten | Beitrag von | 0 Kommentare | 0

Keine wirklich globale Lernerfahrung ohne lokalisierte Schulungen

Vor einigen Wochen erzählte ein Kollege eine Geschichte über den besonderen Wert der Lokalisierung im Zusammenhang mit Schulungsmaßnahmen. In seinem Unternehmen wurden Schulungsunterlagen erstellt und von verschiedenen Führungskräften wurden Schulungseinheiten für eine Vielzahl von Teams auf der ganzen Welt angesetzt. Diese sollte mithilfe von Trainern entweder virtuell oder in Präsenzschulungen, aber auch eigenständig anhand von e-Learning-Modulen durchgeführt werden. Als der Zeitpunkt kam, den Wirkungsgrad der Schulungseinheiten zu ermitteln, stellte sich heraus, dass die Ziele in einigen Märkten nicht erreicht worden waren. Das enttäuschendste Ergebnis kam aus China; dort waren die Bewertungen im Vergleich zu anderen wichtigen asiatischen Märkten am niedrigsten. Nach gründlicher Überprüfung und Bewertung stellte sich heraus, dass die Ursache in der mangelnden Akzeptanz vor Ort lag. Dies hing mit rein englischsprachigen Materialien und – ebenso wichtig! – Remotesitzungen als Schulungsformat zusammen.

Infolgedessen mussten zusätzliche Schulungseinheiten organisiert werden, kostbare Zeit wurde verschwendet und die Dynamik im chinesischen Markt ging verloren. Ganz zu schweigen von den zusätzlichen Kosten. Mit anderen Worten: wichtige Faktoren der globalen Schulungseffizienz wurden unterschätzt oder in diesem Fall ignoriert. Einerseits hätten die Schulungsinhalte sorgfältig lokalisiert werden sollen. Die Annahme, dass die Schulungsteilnehmer imstande oder bereit sind, Informationen in einer Fremdsprache anzunehmen, war schlicht falsch. Andererseits wäre die direkte persönliche Schulung in Ländern, in denen dies aufgrund des kulturellen Hintergrunds erwartet wird oder notwendig ist, wirkungsvoller und erfolgreicher gewesen.

E-Learning und Schulungen sind eine wesentliche Voraussetzung für die digitale Globalisierung. Sie bilden keine Ausnahme von der Regel der globalen Wirksamkeit von Inhalten. Schulungsinhalte können sogar noch schwieriger sein, da sie sowohl technischer, erzählender als auch beschreibender Natur sind. Daher müssen Konsistenz, Kreativität und Kontrolle effizient kombiniert werden, um die Inhalte für weite Teile der Welt interessant und umsetzbar zu halten. Führende Köpfe im Bereich des globalen Lernens, Content-Entwickler sowie Führungskräfte, die die Globalisierung in Unternehmen vorantreiben, sollten auf jeden Fall das Gesamtbild im Auge behalten. Die geschickte Koordination der gesamten Wertschöpfungskette von der Konzeption bis hin zur Lokalisierung dieser Art von Inhalten ist wesentlich.

Zunächst spielen bewährte Verfahren für globales Design eine Rolle, wenn es darum geht, für die Lokalisierung geeignete Inhalte zu entwickeln und schließlich eine große globale Akzeptanz zu schaffen.

  • Themenbasiertes Entwickeln des Ausgangsmaterials: Da einige Abschnitte und Teile der Inhalte in mehreren Schulungsunterlagen von Bedeutung sein können, ist die Entwicklung von Content-Bausteinen, die wiederverwendet bzw. anderweitig eingesetzt werden können, ein Muss. Damit werden die Konsistenz und die Genauigkeit aller Dateien zu jeder Zeit sichergestellt. Darüber hinaus wird auch die Gesamtdauer der Lokalisierungszyklen verkürzt. DITA-Autorentools sind zwar nützliche Hilfsmittel beim Schreiben, doch ein modularer Ansatz kann mittlerweile mit den meisten am Markt verfügbaren CMS oder LMS umgesetzt werden.

 

  • Inhalte so weit wie möglich neutralisieren: Genau wie für andere Arten von Inhalten sollten auch hier gängige Standards und Prozesse für die Internationalisierung angewendet werden. Beim Schreiben ist es wichtig, dass Autoren ein internationales Publikum vor Augen haben. Dies impliziert, dass Ausbildungsinhalte, die nur schwer oder überhaupt nicht zu lokalisieren sind, auf ein Minimum reduziert werden. Dazu gehören unnötiger Jargon, geozentrische Referenzen oder kultursensible Idiome. Wortschatz und Terminologie müssen in stark regulierten Umgebungen, in denen strenge Regeln und Richtlinien gelten, noch stärker beachtet werden.

 

  • Vereinfachte Sprache in Betracht ziehen: Schreibregeln ebnen nicht nur den Weg zu einer kostengünstigen und zeitsparenden Lokalisierung, sondern liefern bereits für die Schulungsteilnehmer in der Ausgangssprache eine intuitive Aussagekraft und Einprägsamkeit. Gezielte Vereinfachung zahlt sich aus.

 

  • Formalisierte Terminologie und stilistische Konventionen von Anfang an: Eine klare, konsistente Sprache ist weder nebensächlich noch sollte sie erst im Nachhinein umgesetzt werden: Eindeutige und einheitliche Begriffe sind genau die „Details“, die kurz- und langfristig die Kundenzufriedenheit aufbauen oder zunichte machen können. Darüber hinaus wird die Lokalisierungsqualität verbessert, denn die richtigen Begriffe in der Quellsprache sind einfacher zu verstehen und in andere Sprachen zu übertragen. Entsprechend muss auch der Stil klar definiert werden, da die Anforderungen nach Ländern, Zielgruppen und Kunden variieren können. Die richtige Wortwahl ermöglicht es Trainern, Menschen für sich zu gewinnen, anstatt sie einfach nur anzusprechen.

 

  • Für eine reibungslose Transaktion und Extraktion von Inhalten sorgen: Während einige Schulungsinhalte in gängigen und editierbaren Formaten wie MS Word, MS PowerPoint oder Adobe InDesign vermittelt werden, stehen einige E-Learning-Inhalte in spezifischeren Formaten wie Lectora oder Articulate zur Verfügung. Auf jeden Fall muss das Ausgangsmaterial für Lokalisierungszwecke exportiert und importiert werden. Im Idealfall sollte dieser Vorgang in verarbeitungsfreundlichen Formaten wie XML erfolgen, um Qualitätskontrollen und die Formatierung zu beschleunigen. Andernfalls muss der Inhalt manuell innerhalb eines Tools lokalisiert werden, wodurch der Prozess weniger automatisiert abgewickelt werden kann und der Verwaltungsaufwand steigt.

Zudem können Hinweise und Tipps bezüglich der Lokalisierung von Schulungen und e-Learning-Inhalten weitergegeben und ausgetauscht werden. Leistungsindikatoren geben direkt während des Entwurfs und der Entwicklung der Inhalte an, welches Maß an Lokalisierungsfreundlichkeit erreicht wird.

  • Mehrsprachige Terminologie und Richtlinien: So wie Autoren am Ausgangsmaterial arbeiten, müssen auch Lokalisierungsteams in mehreren Sprachen und für unterschiedliche Regionen von Anfang an die Terminologie und die stilistischen Regeln festlegen. Dadurch wird die Lokalisierung von Inhalten sicherer und die Überprüfung und Genehmigung der Inhalte werden schneller. Werden diese Aspekte nicht berücksichtigt, wird die Lokalisierung langsamer und führt zu Inkonsistenzen und unerwarteten Diskussionen z. B. mit Lektoren. Die Verwendung von Tools kann die Umsetzung und Steuerung beschleunigen. So ist etwa ein Tool für die Verwaltung der Terminologie einer einfachen Excel-Liste vorzuziehen. Allerdings ist es besser, in einem ersten Schritt Excel- oder Word-Dateien zu erstellen, anstatt diesen Schritt wegen fehlender Tools zu überspringen.

  • Automatisierte Lokalisierungsprozesse: Vorausgesetzt, dass die Richtlinien zur Internationalisierung von Inhalten eingehalten werden, sollte beim Lokalisierungsmanagement über Möglichkeiten der Automatisierung nachgedacht werden. Dies lohnt sich speziell bei Inhalten, die strukturiert sind und konsistent über mehrere Komponenten hinweg verwendet werden. Im Hinblick auf Erfahrung und Zuverlässigkeit kann dank der jüngsten Entwicklungen in der maschinellen Übersetzung ein Niveau erreicht werden, das einen effizienten Einsatz für Inhalte im Bereich Schulung und E-Learning ermöglicht. Gleichermaßen helfen Translation Memories (Übersetzungsspeicher) je nach Situation bei der Wiederverwendung oder der anderweitigen Verwendung von Inhalten. Daher ist das themenorientierte, gesteuerte und vereinfachte Schreiben des Ausgangsmaterials so wichtig.

 

  • Gesteuerte Lokalisierungsabläufe: Lokalisierungszyklen bauen auf verschiedenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf, einschließlich Interessengruppen, Linguisten, Inhaltsanalysten, Terminologieexperten, Technikern, Lektoren und Prüfern. Personen mit leitender Funktion im Bereich Lokalisierung fungieren als Moderatoren und Dirigenten, die das Orchester leiten und es jedem ermöglichen, einen wichtigen Beitrag zu liefern, ohne dabei von den gegebenen Rahmenbedingungen abzuweichen: Gerade im Bereich Schulungsunterlagen ist dies wichtiger denn je. Sie sollten überlegen, ein Übersetzungsmanagement-System (TMS = Translation Management System) einzusetzen, um eine kohärenter Arbeitsumgebung bereitzustellen und Funktionen basierend auf Berechtigungen leicht zugänglich zu machen (z. B. Auftragsanforderungen, Genehmigung von Angeboten, Onlinebewertungen, Fortschrittsverfolgung, Lieferungen usw.)

 

  • An lokale Anforderungen angepasste Schulungen und E-Learning-Formate: Es gibt kein Patentrezept in der digitalen Globalisierung, da alle lokalen Erwartungen, Praktiken und Meinungen berücksichtigt werden müssen. Werden gut lokalisierte Inhalte mithilfe unzureichender Technologien bereitgestellt, kann ihr Wert drastisch sinken. Virtuelles Lernen und das Selbststudium funktionieren in einigen Märkten gut, in anderen ist jedoch ein Kursleiter mit Präsenzunterricht üblich. Das Übergehen lokaler Erfordernisse wäre ein kultureller und geschäftlicher Fauxpas. Ob die Bereitstellung von Schulungsunterlagen in mehreren Ländern als Teil der Kernlokalisierung in Betracht gezogen werden soll, ist zu hinterfragen. Ihre Einbeziehung in den Kontext der globalen Kundenerfahrung ist jedoch unbedingt nötig.

Diese Punkte bilden eine zusätzliche Komplexitätsebene  im Zusammenhang mit globalen Schulungsmaßnahmen. Ich behaupte, dass das Zufriedenstellen von Benutzern und Kunden auf der ganzen Welt eine komplexe Herausforderung bleibt, ganz unabhängig davon, wie sehr wir versuchen, die in diesem Bereich erforderliche Arbeit zu vereinfachen. Komplexität verschwindet nicht dadurch, dass man sie ignoriert. Sich dessen bewusst zu sein und der Komplexität durch fristgerechte und kundenorientierte Lösungen zu begegnen, ist der erste Schritt, um globale Probleme in globale Herausforderungen und Chancen zu verwandeln. Dies gilt auch für Schulungen und das Lernen im digitalen Zeitalter.

 

Quelle: eine Übersetzung des Artikels in EContent

http://www.econtentmag.com/Articles/Editorial/Commentary/No-Truly-Global-Learning-Experience-Without-Localized-Training-104269.htm

 

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